Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.
Datum
Titel
Name
Mo. 03.12.18
Zuhören können
Dieter Klingbeil
Zuhören können

„Hab ich dein Ohr, find ich mein Wort.“ In diesem Satz des Schriftstellers Karl Kraus steckt eine Erfahrung, die wir immer wieder machen. Da spüren wir manchmal schon beim ersten Satz: Mein Gegenüber hört mir zu. Es versetzt sich in meine Lage und versucht, mich zu verstehen. Es stellt behutsam hier und da eine Frage und ermuntert mich durch seine Blicke und Gesten weiterzureden. Meine Worte kommen mir leicht über die Lippen und ich habe das Gefühl, dass auch manches, was zwischen den Worten unausgesprochen bleibt und vielleicht sogar unaussprechbar ist, verstanden oder doch empfunden wird. Wie wohltuend ist diese Erfahrung.

Aber es gibt auch das Gegenteil. Jemand hat auf Durchzug geschaltet. Bei ihm redet man wie gegen eine Wand. Nichts von dem, was wir sagen wollen, „kommt rüber“. Wir werden unsicher und finden nicht mehr die rechten Worte. Am Ende des Gesprächs bleiben Enttäuschung oder sogar Ärger.

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir mit unseren Ohren wirklich hören – mehr als nur akustische Laute, dass wir wirklich etwas von der Freude oder dem Leid eines anderen wahrnehmen und uns öffnen für ihn und sein Anliegen. Oft fehlen uns die Zeit und die Geduld zum rechten Zuhören, manchmal vielleicht auch die Konzentration und das Einfühlungsvermögen. Ein guter Zuhörer ist meist ein offener Mensch, der sich auch ein Stück von sich selbst und seinen eigenen Sorgen lösen kann.

In der Bibel heißt es in den Sprüchen Salomos: „Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der Herr.“ Gut zuhören können, ein offenes Ohr haben, das ist also ein Geschenk Gottes. Unsere Aufgabe ist es, mit diesem Geschenk verantwortlich umzugehen. Und das heißt für mich, die lauten Worte und Schreie ebenso zu hören wie die leisen, manchmal fast unhörbaren Stimmen und Mitteilungen und so zuzuhören, dass stotternde und stammelnde Menschen die rechten Worte finden und sich aussprechen können.

Vielleicht muss man dazu erst einmal auf die Stimme Gottes hören, auf sein Versprechen: „Bei mir findest du offene Ohren für alles, was dich bewegt. Ich verstehe dich. Ich höre alle deine Sprachen: dein Gebet, dein Seufzen, deine Träume und auch dein Schweigen.“ Im Vertrauen auf diese Zusage fällt es leichter, einem anderen sein Ohr zu leihen und sich ihm zu öffnen. Viele Menschen warten darauf. Sie brauchen dringender als gute Ratschläge oder überzeugende Antworten auf alle Lebensfragen offene Ohren, Menschen, die ihnen wirklich zuhören. In einer Gemeinde kann man das gemeinsam mit anderen üben.

KONTAKT

Dieter Klingbeil

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Dieter
Klingbeil
Pastor i.R.
Schneverdingen
Mo. 19.11.18
Wochenspruch aus dem 2. Brief an die…
Wochenspruch in zwei…
Wochenspruch aus dem 2. Brief an die Gemeinde in Korinth (2 Kor 5,10)

Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi (Luther 2017)

Denn wir alle müssen vor dem Gerichtssitz des Messias erscheinen (Bibel in gerechter Sprache, 4. Auflage)