Friedenskirche zu Heber

Der Wunsch der Bevölkerung nach einer eigenen Kirche in Heber geht bereits auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Nachdem 1954 ein Friedhof eingerichtet worden war, begannen die Planungen zunächst für eine Friedhofskapelle, dann für den Bau einer Kirche. Sie wurde 1956 von der politischen Gemeinde errichtet und ging erst später in das Eigentum der Landeskirche über. Die Einwohnerzahl betrug zu dieser Zeit etwa 1.400, davon 920 evangelische Kirchenmitglieder. Heute sind es 820 Einwohner und 640 Gemeindeglieder. Zur Erinnerung an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erhielt die Kirche den Namen Friedenskirche.

 

Die Kirche

Mitte der 1950er Jahre lernte die Landeskirche von den Bewohnern des kleinen Heidedörfchens Heber, wie man sich die Kirche ins Dorf holt und wie aus einer Kapelle ganz schnell eine Kirche werden kann.

Die ungewöhnliche Geschichte beginnt eigentlich schon vor 90 Jahren.

Damals hatte der Landwirt Wilhelm Wiechern angekündigt, er würde seinem Dorf für den Bau einer Kirche kostenlos sein Grundstück zur Verfügung stellen. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Idee einer Dorfkirche wieder konkrete Gestalt an.

Im Jahr 1954 weihten die Heberer am Kabenbusch ihren neu angelegten Friedhof ein. Die Leichenzüge ins mehrere Kilometer entfernte Schneverdingen hatten damit endlich ein Ende gefunden. Nun fehlte nur noch eine angemessene Kapelle. Die wurde von der Landeskirche schnell genehmigt. Doch die Heberer dachten sich, wenn wir schon eine Kapelle haben, dann wollen wir dort auch Gottesdienste feiern können.

Weil aber der Kabenbusch weit vom Dorfkern entfernt liegt, hätten die meisten Gemeindemitglieder das Glockengeläut gar nicht hören können und ihr Sonntagsgebet verpasst. Es blieb also nichts anderes übrig, als die Kirche dichter zu den Dorfbewohnern zu bringen.

Per Handschlag stellte Hermann Wiechern der Gemeinde einen Bauplatz gegenüber der Schule zur Verfügung und erfüllte damit den langjährigen Wunsch seines Onkels Wilhelm Wiechern. Mit Gemeindemitteln, großzügigen Spenden und noch mehr Eigeninitiative wuchs die Kirche für 130.000 DM innerhalb weniger Monate aus dem Boden.

Die Heberer wussten, dass sie keine Zeit verlieren durften, wenn die Landeskirche ihre Pläne nicht doch noch durchkreuzen sollte. Als die Kirchenoberen aus Hannover schließlich erfuhren, dass in Heber mit den Mitteln der Gemeinde statt einer Kapelle ein ganzes Kirchenhaus gebaut worden war, zeigten sie sich alles andere als erfreut.

Sie stoppten die letzte Rate des 25.000 DM Zuschuss und gaben sich zunächst reichlich verschnupft über das Gotteshaus auf weltlichen Grund. Es waren jetzt ungeklärte Besitzverhältnisse aufzuarbeiten und die Zugehörigkeit der Gemeindemitglieder zu klären.

Die Bewohner von Hillern, die sich mit Spenden und tatkräftiger Hilfe am Bau der Kirche beteiligt hatten, wollten nun nicht länger zur Kirchengemeinde Wolterdingen gehören. Das missfiel natürlich dem Wolterdinger Pastor, der die Hillerner erst wenige Jahre zuvor als Gemeindemitglieder hinzugewonnen hatte.

Nach kurzem heftigen Streit wurde man sich einig und die Landeskirche, die Pastor Asmus einen langfristigen Erhalt seiner Wolterdinger Planstelle zusichern musste, beteiligte sogar mit den Landessuperintendenten Hoyer und Fedtropp und dem Superintendenten Stalmann auch an der Einweihung der Friedenskirche.

An diesem dritten Advent 1956 wurden 650 Gottesdienstteilnehmer ins Sakristeibuch der neu errichteten Kirche eingetragen. 50 Jahre später, als das Jubiläum der Friedenskirche gefeiert wird, ist das Gotteshaus wieder rappelvoll. Wieder sind auch hohe Gäste gekommen. Landessuperintendent Manfred Horch zeigt sich in seiner Festrede anders als seiner Vorgänger tief von den Tricks der Dorfbewohner beeindruckt:

                     "Manchmal ist es gut, wenn Hannover weit weg ist",

bringt er den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft auf den Punkt:

                     "Denn mit ihrer Hartnäckigkeit haben Sie damals selbst Verantwortung für ihren Glauben übernommen
                     und ihre Kirche dorthin geholt, wo sie bis heute ihren festen Platz behauptet hat. Mitten ins Dorf."

Text LH

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